Deutsch Langhaar in Württemberg und Baden

 
Die Geschichte des Deutsch-Langhaarigen Vorstehundes in Württemberg und Baden ist eng mit der Entwicklung des Vereins zur Prüfung reiner Jagdhunderassen für Württemberg verbunden. Unter dem Protektorat König Wilhelm II. von Württemberg wurde der Verein im Jahre 1888 gegründet. Weitsichtige Jäger und Kynologen hatten erkannt, daß man den Erfordernissen eines vielseitigen Jagdbetriebs nur mit vielseitig veranlagten Hunden genügen kann. Englische Hunde und deren Kreuzungsprodukte ("Deutsche Marmelade mit englischer Soße") erfüllten diese Anforderungen nicht. Vor allem Spursicherheit, Laut und Schärfe ließen zu wünschen übrig. Durch züchterische Selektion der deutschen Vorstehhundschläge wollte man zum Ziel kommen. Dieses Anlagen verfolgte der Verein von Anfang an konsequent. Neben den Schauen hatten die Prüfungen, damals Suchen, Schweißsuchen oder Gebrauchssuchen genannt, eine besondere Bedeutung; ebenso die Ausbildung der Hunde.
 
Der Verein unterhielt eigene Zwingeranlagen, Deckrüden und Zuchthündinnen. Das königliche Hofjagdamt betätigte sich selbst als Züchter - auch Deutsch-Langhaar - und die königlichen Forstbeamten wurden angehalten, tüchtige d.h. brauchbare Jagdhunde zu halten und zu führen. Der Zwinger des Vereins hieß „Schlotwiese" und wurde vom Hofjagdamt durch Abordnung von Personal - z.B. Revierförster Seemann, kgl. Hofjäger; als Zwingermeister -, Material und Geldmittel unterstützt. In den Hofjagdrevieren, z. B. Rotwildpark, Schwarzwildpark und im Schönbuch, wurden schweißtüchtige Kurzhaar, Langhaar und Dachshunde eingesetzt. Viele Forstbetonte führten Deutsch-Langhaar wie alte Bilddokumente aus dem Schönbach und dem Nordschwarzwald belegen. 
 
In Baden, hier vor allem im südlichen Landesteil, wirkte der Fabrikant Carl Rehfuß, Kehl, bekannt unter dem Pseudonym "Oberländer“ wortgewaltig für die Gebrauchshundeidee. Dort wurden kurz-, und rauhhaarige Vorstehhunde bevorzugt. In Südbaden und in Nordbaden nahmen jeweils sog. Bezirksvorstände, die zugleich Begutachter waren die, die Interessen des Vereins zur Züchtung reiner Jagdhunderassen wahr.
Die Rasse Deutsch Langhaar benutzte seit 1881 eine Abteilung des Deutschen Hundestammbuchs (D.H.St.B.), welches von der sog. Delegierten Commission geführt wurde, als Zuchtbuch. Bis zum Jahre 1900 wurden einfache Nummern vergeben, ab 1901 bis 1925 erhielten die Eintragsnummern Buchstaben von A - Z, ab 1926 wurde eine zweistellige Jahreszahl hinzugefügt.
 
Es handelte sich um ein offenes Zuchtbuch, in welches häufig nur Hunde eingetragen wurden, welche auf Schauen und Prüfungen prämiiert oder die zur Zucht verwendet wurden. Gelegentlich wurden sogar Hunde unbekannter Abstammung, die dem Rassetyp entsprachen, einzeln eingetragen.
 
Blättert man in den alten Stammbüchern unter der Rasse Deutsch Langhaar, dann findet man die ersten Zeugnisse züchterischer Aktivitäten in Württemberg/Baden im Jahre 1886, als Lieutenant Jötter, Stuttgart, nach Tell 17 (1021) - vermutlich aus einer nicht eingetragenen Hündin - die braune Jula (4125), gew. 28.07.1886, zog. Besitzer der Hündin war Bürgermeister J. Schulz, Ballenberg/Baden. Sie erhielt einen Ehrenpreis auf einer Ausstellung in Frankfurt/M. im Jahre 1888.
 
3 Bilder einer Hofjagd im Schönbuch.  
Der Förster rechts führt einen DL.
In der Bildmitte, sich bückend, König Wilhelm II von Württemberg
 
 
 
 
Weitere Eintragungen folgen:
 
3444 Hellas, gew. 1885,
Züchter: Thiermaler Specht, Stuttgart 
Besitzer: Franz Schneider, Kaiserslautern 
Ehrenpreis Frankfurt/M. 1888.
 
4792 Feldmann-Stuttgart, gew. 1887, von Feldmann aus Juno 
Züchter: Grundler, Möhringen; 
Besitzer: Heinrich Hauser, Stuttgart 
II. Preis Nürnberg.
 
 
5486 Donna-Oestrich, gew. 01.12.1889, von Commodus (3414) aus Diana-Oestrich (4117)
Züchter: Freiherr von Schorlemer - Sonderhaus
Besitzer: W. Graf Douglas, Karlsruhe.
 
Hasso-Lindich 444 A, gew. 09.09.1897 von Marko-Mindelheim (8943) aus Fides-Neufra (8966)
Züchter: Oberförster Eberhard, Sigmaringen
Besitzer; Kaltschmid, Oberriexingen (Württembg.)
 
Marco-Josefslust 147 B, gew. 05.04.1899, von Rino-Langendreer (8946) aus Fides-Neufra (8966)
Züchter: Fürstl. Hohenzollern'sche Hofkammer, Sigmaringen 
Besitzer: Oberförster Hörmann, Josefslust b. Sigmaringendorf:
 
Freya v. d. Warte 742 D, Crew. 17.03.1899, voll Tasse Alvinghof (8012) aus Toska v. Reuss (10559)
Züchter: Grosse, Pollychen, mit der Oberapotheker d. R. Dr. O. Stoll, Grab bei Sulzbach/Murr, später Marbach/Neckar, seinen Zwinger "Grab" später  "von Marbach" begründete. Als Deckrüden benutzte er Treff v. d. Warte 739 E. Dr. Stoll hat seine DL-Zucht offenbar systematisch aufgebaut. Von ihm gezüchtete Hunde bildeten den Grundstock für die Aktivitäten weiterer Züchter in Württemberg. Trotzdem findet er bei Brandt (1909) nur am Rande Erwähnung.
 
Leda-Württemberg 961 E, gew. 27.04.1903, vors Ramass-Schönbuch (10532) aus Zitta v. Krefeld 169 C
Züchter: Kgl. Hofjagdamt, Stuttgart
Besitzer: Forstwart Rauch, Hirseblatt b. Friedrichshafen.
 
Lotte-Württemberg 1080 E, gew. 27.04.1903; Wurfschwester .u Leda Züchter und Besitzer: Kgl. Hof jagdamt, Stuttgart III. Preis JK-Schau in Stuttgart 1904.
 
Junker Treff Walhall 40 F, gew. 14.04.1903, von Hektar Werdohl 832 A aus Flora Mahl¬hall 664 B
Züchter: Förster Holler; Tagmersheim
Besitzer-: Forstwart  Ehrhardt, Mettenberg/Biberach.
 
Paschko 107 H, gew. 11.08.1903, vorn Hektor t'. Werdohl 832 A aus Cosima 43 C Züchter und Besitzer: Hauptmann Hofacker; Ludwigsburg,,'
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Ramass-Grab 62 H, gew. 12.U<4.1903, von Marco Josefslust 147 B aus Freya i. d. Warte 7421)
Züchter und Besitzer: 1)r: Otto Stall, Marbach/N.
 
Feldmann-Grab 948 G, gew. 09.08.1904, von Treff v. d. Warte 739 E aus Freya v. d. Warte 742D
Züchter und Besitzer: Dr. Otto Stoll, Marbach/Neckar.
 
Ramass-Baindt 520 G, gew. 08.06.1904, von Roland-Augsburg 650 C aus Leda-Donau 138 E
Züchter: A. Scheer, München
Besitzer: Oberförster Fischer, Baindt b. Ravensburg.
 
Wodan vom Schwahl 32 G (eigentlich Wodan-Grab, Wurfbruder zu Feldmann-Grab), gew. 09.08.1904;
Der Rüde wurde wie seine Schwester Hertha vom Schwahl 190 G von Dr. Stoll, Grab bei SulzbachlMurr, später Marbach/N. gezogen nach Treff v. d. Warte 739 E aus Freya v. d. Warte 742 D.
Der Apotheker Karl Reichert, Cannstatt, nahm diese Hunde in seinen Zwinger "vom Schwahl" auf, benannte sie, entsprechend den Gepflogenheiten seiner Zeit, mit dem Zwingernamen seiner Wahl und benutzte sie - siehe unten - auch zur Zucht. Wodan ist im Langhaarbuch von Karl Brandt (1909) unter dem Kapitel "Einige der schönsten Langhaarigen der Neuzeit" auf den Seiten 137 und 138 beschrieben und abgebildet. Er wurde 1906 in Stuttgart mit 1. Preis und sehr gut und 1908 in Stuttgart mit 1. Preis und vorzüglich bewertet. In Fürth erhielt er bei einer Schau 1907 ebenfalls vorzüglich und im gleichen Jahr bei der Jagdsuche in Fürth den III. Preis und Spezialpreis, für Wasserarbeit. Sein Führer, Karl Reichert aus Cannstadt, war lange Jahre Vorstandsmitglied im Verein zur Züchtung (damals noch ohne den Zusatz "und Prüfung") reiner Jagdhunderassen für Württemberg (gegr. 1888) und als Nachfolger des legendären Forstmeisters (späteren Landforstmeisters) Walter Wiech Vereinsobmann von 1935 bis 1950. Karl Reichert, der auch beim Süddeutschen Cl