Deutsch Langhaar in Württemberg und Baden

 
Die Geschichte des Deutsch-Langhaarigen Vorstehundes in Württemberg und Baden ist eng mit der Entwicklung des Vereins zur Prüfung reiner Jagdhunderassen für Württemberg verbunden. Unter dem Protektorat König Wilhelm II. von Württemberg wurde der Verein im Jahre 1888 gegründet. Weitsichtige Jäger und Kynologen hatten erkannt, daß man den Erfordernissen eines vielseitigen Jagdbetriebs nur mit vielseitig veranlagten Hunden genügen kann. Englische Hunde und deren Kreuzungsprodukte ("Deutsche Marmelade mit englischer Soße") erfüllten diese Anforderungen nicht. Vor allem Spursicherheit, Laut und Schärfe ließen zu wünschen übrig. Durch züchterische Selektion der deutschen Vorstehhundschläge wollte man zum Ziel kommen. Dieses Anlagen verfolgte der Verein von Anfang an konsequent. Neben den Schauen hatten die Prüfungen, damals Suchen, Schweißsuchen oder Gebrauchssuchen genannt, eine besondere Bedeutung; ebenso die Ausbildung der Hunde.
 
Der Verein unterhielt eigene Zwingeranlagen, Deckrüden und Zuchthündinnen. Das königliche Hofjagdamt betätigte sich selbst als Züchter - auch Deutsch-Langhaar - und die königlichen Forstbeamten wurden angehalten, tüchtige d.h. brauchbare Jagdhunde zu halten und zu führen. Der Zwinger des Vereins hieß „Schlotwiese" und wurde vom Hofjagdamt durch Abordnung von Personal - z.B. Revierförster Seemann, kgl. Hofjäger; als Zwingermeister -, Material und Geldmittel unterstützt. In den Hofjagdrevieren, z. B. Rotwildpark, Schwarzwildpark und im Schönbuch, wurden schweißtüchtige Kurzhaar, Langhaar und Dachshunde eingesetzt. Viele Forstbetonte führten Deutsch-Langhaar wie alte Bilddokumente aus dem Schönbach und dem Nordschwarzwald belegen. 
 
In Baden, hier vor allem im südlichen Landesteil, wirkte der Fabrikant Carl Rehfuß, Kehl, bekannt unter dem Pseudonym "Oberländer“ wortgewaltig für die Gebrauchshundeidee. Dort wurden kurz-, und rauhhaarige Vorstehhunde bevorzugt. In Südbaden und in Nordbaden nahmen jeweils sog. Bezirksvorstände, die zugleich Begutachter waren die, die Interessen des Vereins zur Züchtung reiner Jagdhunderassen wahr.
Die Rasse Deutsch Langhaar benutzte seit 1881 eine Abteilung des Deutschen Hundestammbuchs (D.H.St.B.), welches von der sog. Delegierten Commission geführt wurde, als Zuchtbuch. Bis zum Jahre 1900 wurden einfache Nummern vergeben, ab 1901 bis 1925 erhielten die Eintragsnummern Buchstaben von A - Z, ab 1926 wurde eine zweistellige Jahreszahl hinzugefügt.
 
Es handelte sich um ein offenes Zuchtbuch, in welches häufig nur Hunde eingetragen wurden, welche auf Schauen und Prüfungen prämiiert oder die zur Zucht verwendet wurden. Gelegentlich wurden sogar Hunde unbekannter Abstammung, die dem Rassetyp entsprachen, einzeln eingetragen.
 
Blättert man in den alten Stammbüchern unter der Rasse Deutsch Langhaar, dann findet man die ersten Zeugnisse züchterischer Aktivitäten in Württemberg/Baden im Jahre 1886, als Lieutenant Jötter, Stuttgart, nach Tell 17 (1021) - vermutlich aus einer nicht eingetragenen Hündin - die braune Jula (4125), gew. 28.07.1886, zog. Besitzer der Hündin war Bürgermeister J. Schulz, Ballenberg/Baden. Sie erhielt einen Ehrenpreis auf einer Ausstellung in Frankfurt/M. im Jahre 1888.
 
3 Bilder einer Hofjagd im Schönbuch.  
Der Förster rechts führt einen DL.
In der Bildmitte, sich bückend, König Wilhelm II von Württemberg
 
 
 
 
Weitere Eintragungen folgen:
 
3444 Hellas, gew. 1885,
Züchter: Thiermaler Specht, Stuttgart 
Besitzer: Franz Schneider, Kaiserslautern 
Ehrenpreis Frankfurt/M. 1888.
 
4792 Feldmann-Stuttgart, gew. 1887, von Feldmann aus Juno 
Züchter: Grundler, Möhringen; 
Besitzer: Heinrich Hauser, Stuttgart 
II. Preis Nürnberg.
 
 
5486 Donna-Oestrich, gew. 01.12.1889, von Commodus (3414) aus Diana-Oestrich (4117)
Züchter: Freiherr von Schorlemer - Sonderhaus
Besitzer: W. Graf Douglas, Karlsruhe.
 
Hasso-Lindich 444 A, gew. 09.09.1897 von Marko-Mindelheim (8943) aus Fides-Neufra (8966)
Züchter: Oberförster Eberhard, Sigmaringen
Besitzer; Kaltschmid, Oberriexingen (Württembg.)
 
Marco-Josefslust 147 B, gew. 05.04.1899, von Rino-Langendreer (8946) aus Fides-Neufra (8966)
Züchter: Fürstl. Hohenzollern'sche Hofkammer, Sigmaringen 
Besitzer: Oberförster Hörmann, Josefslust b. Sigmaringendorf:
 
Freya v. d. Warte 742 D, Crew. 17.03.1899, voll Tasse Alvinghof (8012) aus Toska v. Reuss (10559)
Züchter: Grosse, Pollychen, mit der Oberapotheker d. R. Dr. O. Stoll, Grab bei Sulzbach/Murr, später Marbach/Neckar, seinen Zwinger "Grab" später  "von Marbach" begründete. Als Deckrüden benutzte er Treff v. d. Warte 739 E. Dr. Stoll hat seine DL-Zucht offenbar systematisch aufgebaut. Von ihm gezüchtete Hunde bildeten den Grundstock für die Aktivitäten weiterer Züchter in Württemberg. Trotzdem findet er bei Brandt (1909) nur am Rande Erwähnung.
 
Leda-Württemberg 961 E, gew. 27.04.1903, vors Ramass-Schönbuch (10532) aus Zitta v. Krefeld 169 C
Züchter: Kgl. Hofjagdamt, Stuttgart
Besitzer: Forstwart Rauch, Hirseblatt b. Friedrichshafen.
 
Lotte-Württemberg 1080 E, gew. 27.04.1903; Wurfschwester .u Leda Züchter und Besitzer: Kgl. Hof jagdamt, Stuttgart III. Preis JK-Schau in Stuttgart 1904.
 
Junker Treff Walhall 40 F, gew. 14.04.1903, von Hektar Werdohl 832 A aus Flora Mahl¬hall 664 B
Züchter: Förster Holler; Tagmersheim
Besitzer-: Forstwart  Ehrhardt, Mettenberg/Biberach.
 
Paschko 107 H, gew. 11.08.1903, vorn Hektor t'. Werdohl 832 A aus Cosima 43 C Züchter und Besitzer: Hauptmann Hofacker; Ludwigsburg,,'
.
Ramass-Grab 62 H, gew. 12.U<4.1903, von Marco Josefslust 147 B aus Freya i. d. Warte 7421)
Züchter und Besitzer: 1)r: Otto Stall, Marbach/N.
 
Feldmann-Grab 948 G, gew. 09.08.1904, von Treff v. d. Warte 739 E aus Freya v. d. Warte 742D
Züchter und Besitzer: Dr. Otto Stoll, Marbach/Neckar.
 
Ramass-Baindt 520 G, gew. 08.06.1904, von Roland-Augsburg 650 C aus Leda-Donau 138 E
Züchter: A. Scheer, München
Besitzer: Oberförster Fischer, Baindt b. Ravensburg.
 
Wodan vom Schwahl 32 G (eigentlich Wodan-Grab, Wurfbruder zu Feldmann-Grab), gew. 09.08.1904;
Der Rüde wurde wie seine Schwester Hertha vom Schwahl 190 G von Dr. Stoll, Grab bei SulzbachlMurr, später Marbach/N. gezogen nach Treff v. d. Warte 739 E aus Freya v. d. Warte 742 D.
Der Apotheker Karl Reichert, Cannstatt, nahm diese Hunde in seinen Zwinger "vom Schwahl" auf, benannte sie, entsprechend den Gepflogenheiten seiner Zeit, mit dem Zwingernamen seiner Wahl und benutzte sie - siehe unten - auch zur Zucht. Wodan ist im Langhaarbuch von Karl Brandt (1909) unter dem Kapitel "Einige der schönsten Langhaarigen der Neuzeit" auf den Seiten 137 und 138 beschrieben und abgebildet. Er wurde 1906 in Stuttgart mit 1. Preis und sehr gut und 1908 in Stuttgart mit 1. Preis und vorzüglich bewertet. In Fürth erhielt er bei einer Schau 1907 ebenfalls vorzüglich und im gleichen Jahr bei der Jagdsuche in Fürth den III. Preis und Spezialpreis, für Wasserarbeit. Sein Führer, Karl Reichert aus Cannstadt, war lange Jahre Vorstandsmitglied im Verein zur Züchtung (damals noch ohne den Zusatz "und Prüfung") reiner Jagdhunderassen für Württemberg (gegr. 1888) und als Nachfolger des legendären Forstmeisters (späteren Landforstmeisters) Walter Wiech Vereinsobmann von 1935 bis 1950. Karl Reichert, der auch beim Süddeutschen Club Mitglied wurde, hat sich von 1898 an bis zu seinem Tod im Jahr 1950 für den Deutsch-Langhaar und die Zucht, Ausbildung und Prüfung von Jagdgebrauchshunden engagiert. Er war nach Dr. Stoll, Marbach, einer der Langhaarpioniere in Württemberg. Leider sind alle Unterlagen aus diesen alten Zeiten heute beim "Verein Wiech" nicht mehr greifbar; man muß diese Informationen mühsam aus verschiedenen Quellen zusammensuchen.
 
Wodan vom Schwahl 32G
 
Hertha-Rudersberg 1048 K, gew. 30.07.1906, von Marko - Grab 948 G aus Cosima 243 C Züchter: Hauptmann z.D. Gärttner, Herrenberg/Württ. Besitzer: Forstwart Müller, Rudersberg.
 
Wodan-Weilerburg 254 I, gew. 11.01.07, von Ramass-Grab 62 H aus Hertha v. Schwahl 190 G
Züchter: Dr. Stoll, Marbach/N.
Besitzer: Förster Katz, Weiler b. Rottenburg
 
Herta-Herrenberg 1203 K, gew. 09.04.1907, von Helgo v. Münster 842 F aus Cosima 243 C
Züchter: Rechtsanwalt Dr. Etter, Rottweil
Besitzer: Hauptmann z.D. Gärttner, Herrenberg/Württ.
 
Waldo v. Katzenberg 6161, gew. 09.04.1907, Wurfbruder zu Herta-Herrenberg Besitzer: Emil Mathis, Dessau.
 
Tell v. d. Brincke 378 L, gew. 04.03.08, von Hector (Abst. nachgewiesen) aus Airy-Osnabrück 331 D
Züchter: F. Kienast, Haltingen/Baden
Besitzer: Förster Schmitt, Brincke/Westf.
 
Lotte v. Marbach 164 M, gew. 24.02.09, von Ramass-Grab 62 H aus Hertha v. Schwahl 190 G
Züchter und Besitzer: Dr. Stoll, Marbach/N.
 
Wodan v. Rudersberg 1694 M, gew. 06.04.1909, von Wodan v. Schwahl 32 G aus Hertha¬Rudersberg 1048 K
Züchter: Forstwart Müller Rudersberg
Besitzer: E. Bürgler, Ulm/D.
 
Feldmann v. Marbach 1111 0, gew. 27.11.1910, von Ramass-Grab 62 H aus Lotte v. Marbach 164 M
Züchter: Dr. Stoll, Marbach/N.
Besitzer: W. Feil, Marbach/N.
 
Flott v. Marbach 1112 0, gew. 29.12.1911, Wiederholungswurf wie vor Besitzer: W. Feil, Marbach/N.
 
Terror-Bebenhausen 2429 P, gew. 17.03.7972, von Terror Groß-Eislingen (Abst. nachgew) aus Flora-Göppingen (Abst. nachgew.)
Züchter und Besitzer unbekannt
1. Preise Ulm, Göppingen, Geislingen und Stuttgart 1913.
 
 
Trina-Schlotwiese 2888 0, gew. 17.08.1912, von Wodan v. Schwahl 32 G aus Ran 1204 K Züchter: Oberamtmann Elsenhaus, Maulbronn Besitzer: Kgl. Forstwart Katz, Reichenbach b. Westhausen/Württ.
 
Teska-Schlotwiese 2618 0, gew. 17.08.1912, Wurfschwester zu Trina Besitzer: Kgl. Forstwart Röhrle, Neuenhaus, O.A. Nürtingen. Teska-Schlotwiese 2618 0, gew. 17.08.1912, Wurfschwester zu Trina Besitzer: Kgl. Forstwart Röhrle, Neuenhaus, O.A. Nürtingen.
 
Wodan v. Sonnenberg 1577 V, gew. 30.06.1914, Abstammung und Züchter unbekannt Besitzer: Oskar Eser, Stuttgart.
 
Tello v. Fischerhof 445 V, gew. 31.03.1915, von Tell-Hehlen Linden 89 K aus Flora-Hehlen Linden 504 N
Züchter: Wilhelm Bode, Hann.-Lindau
Besitzer: Heinrich Hoffmann, Jagstheim O.A. Crailsheim
 
 
Herta v. Marbach 51 U; Wurfdatum nicht lesbar, von Ramass-Grab 62 H aus Lotte v. Marbach 164 M 
Züchter: Dr. Stoll, Marbach/N.
Besitzer: P Unger, Marbach/N.
 
Herta v. d. Nagold 273 U, gew. 27.10.1918, von Feldmann v. Marbach 1111 0 aus Herta v. Marbach 51 U
Züchter: P. Unger Marbach/N. später Zwinger v. Lemberg Besitzer: Forstwart Schwenger-Spielberg, Altensteig.
 
Hallo- Wasseralfingen 297 V, gew. 15.04.1919, von Rolf' Schönmünzach 2421 P aus Trina Schlotwiese 2888 D
Züchter: Forstwart Katz, Reichenbach, später Zwinger "v. Wöllerstein" Besitzer: Friedr. Schmidt, Wasseralfingen/Württ.
 
Wodan-Reichenbach 354 V, gew. 15.04.1919, Wurfbruder zu Hallo-Wasseralfingen; Besitzer: Forstwart Katz, Reichenbach.
 
Jola-Reichenbach 353 V, gew. 15.04.1919, Wurfschwester zu Hallo- Wasseralfingen; Besitzer: Forstwart Katz, Reichenbach.
 
Juno-Reichenbach 381 V, gew. 15.04.1919, Wurfschwester zu Hallo-Wasseralfingen; Besitzer: Forstwart Bauer, Kapfenburg b. Neresheinv`Württ.
 
 
Während des ersten Weltkrieges und in den Nachkriegsjahren gingen die züchterischen Aktivitäten stark zurück. Dennoch fanden sich immer wieder Langhaarfreunde, die neue Zwinger begründeten. Im Hinkel'schen Deutsch-Langhaar-Buch (1931) sind für Baden und Württemberg noch folgende Züchter benannt:
 
- vom Kaiserstuhl, Josef Bercher, Oberrotweil/Kaiserstuhl (Baden) - von Plattenhardt, K. Bachhofer, PlattenhardtlWürtt. - von der Schillerhöhe, Eugen Deckei; Aalen/Württ. - vom Sennefelderbuckel, David Oesterle, Stuttgart - vom Stromberg, G. Pflüger, Sternenfels/Württ.
 
Die Jagdhundezucht- und Prüfungsvereine wurden 1934 "gleichgeschaltet". Das Deutsche Hundestammbuch wurde auch für Deutsch-Langhaar rückwirkend zum 31.12.1933 geschlossen. Statt der regionalen DL-Vereine wurden sog. "Fachschaften" verordnet. Die gesamten süddeutschen Aktivitäten wurden unter der Bezeichnung "Fachschaft Deutsch-Langhaar; Gau Franken-Bayrische Ostmark - Baden-Württemberg" zusammengefaßt.
 
Aus diesen Jahren sind uns derzeit keine Quellen zugänglich, welche das Zuchtgeschehen in Württemberg und Baden dokumentieren. Es wird auch hier; wie in den anderen Regionen Deutschlands, allmählich zum Erliegen gekommen sein.
 
Schon bald nach Kriegsende, im Jahr 1946, sammelte der Regierungsrat a.D. Ernst Schweizer, Stuttgart, Langhaar-und Gebrauchshundeleute in der amerikanisch besetzten Zone von Württemberg und Baden um sich. Er gründete den "Landesverein Württemberg/Baden für deutsch-langhaarige Vorstehhunde" und versuchte auch, einen Jagdgebrauchshund-Abrichtungs- und Prüfungsverein zu etablieren. Aufgrund der schwierigen Zeitläufe, fehlender legaler Möglichkeiten der Jagdausübung und sicher auch Verkehrs- und Kommunikationsproblemen waren die Vereinsaktivitäten nach außen wenig spürbar. Aus den Aufzeichnungen von K.G. Wollhoener wissen wir, daß in Württemberg und Baden in den Jahren von 1944 bis 1949 insgesamt 18 neue Zwinger eingetragen und von 1947 bis 1949 26 DL-Würfe mit 156 Welpen gezogen wurden. Ganz so untätig, wie dies gelegentlich von anderer Seite dargestellt wurde, war dieser erste baden-württembergische DL-Verein also nicht!
Leider verstarb Ernst Schweizer Ende Dezember 1950. Der Nachruf von Dr. Bergmann, 1. Vorsitzender des wiedergegründeten DL-Verbandes, findet sich in Nr: 4 der DL-Mitteilungen. Der Langhaarsache im Südwesten fehlte damit der Motor. Im Verein fand sich offenbar niemand, der in der Lage gewesen wäre, das Heft in die Hand zu nehmen, so daß eine der frühesten Nachkriegsaktivitäten im Langhaarlager sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand.
 
Der Anfang 1950 wiedergegründete Süddeutsche Club Langhaar hatte in seiner Satzung die aus Fachschaftszeiten überkommene Zuständigkeit für ganz Bayern und Baden-Württemberg festgeschrieben, so daß für die Züchter im Land wenigstens kein Vakuum entstand.
 
Aus den Jahren 1944 bis 1960 sind uns folgende geschützten Zwingernamen bekannt: 
- vom Klosterwald, Leo Wirth, Wart b. Altensteig 
- vom Kraichbach, Züchter unbekannt
- vom Lauterberg, Josef Alpers, Karlsruhe
- vom Altrhein, Becker, Neulußheim
- vom Hühnerberg, Georg Gelbing, Jagstheim
- vom Walzbachtal, Emilie Frey, Weingarten
- vom Schönbuch, Züchter unbekannt 
- vom Luxhof, Hans Hormuth, Heidelberg 
- vom Brandholz, Albert Grimm, Bietigheim 
- vom Ruschwald, Eduard Kneis, Durlach 
- vom Egelsee, Josef Beyerle, Großkuchen
- vom Itzelberger See, Hermann Hartmann, Itzelberg 
- von Malepartus, Heinrich Fuchs, Calw 
- vom Wattenberg, Heinrich Lanz, Zeutern 
- vom Heiligenwald, Emil Mattes, Dusslingen
 
Trotz dieser an sich hoffnungsvollen Ansätze, die Zucht und Verbreitung des Deutsch-Langhaar in Baden-Württemberg voranzubringen, kam das Zuchtgeschehen zu Beginn der 60er-Jahre fast zum Erliegen. In ganz Bayern und Baden-Württemberg gab es nur einen einzigen Zuchtberater! Die Verantwortlichen im Verband hatten die Malaise längst erkannt: Der Verbandszuchtwart Dr. Meyer beantragte auf dem Verbandstag am 22.03.58 in Nürnberg die Bildung einer Untergruppe Württemberg-Baden. Albert Dünkel, s.Zt. Zuchtwart des SCL, berichtete für das Jahr 1961: 
"Aus Württemberg und Baden ein einziger Wurf! 1960 war überhaupt keiner gefallen. Hier wird der Boden nicht beackert, DL kommt gänzlich ins Hintertreffen in einigenJahren werden uns aber die anderen Rassen dort endgültig den Rang ablaufen, wenn nicht bald etwas geschieht.  Der Bezirk des SCL ist groß, viel zu groß für einen einzigen Zuchtberater..." (DLM. Nr. 33 März 62; siehe auch Protokoll der HV. des SCL. vom 22.2.62)
 
Verbandszuchtwart Dr. Meyer auf der HV. des DL-Verbandes am 16.3.63:
"Es geht wirklich nicht an, daß z.B. der Riesenbezirk des SCL. ganz Bayern, Franken, Baden, Schwaben und Württemberg von einem einzigen Mann als Zuchtberater betreut wird. Hier würde eine Unterteilung dringend notwendig sein." (DLM. Nr. 36, August 1963)
 
Als erste Veranstaltung nach 1945 hielt der Süddeutsche Club am 11.04.64 eine Verbands¬-Jugendprüfung bei Hockenheim ah.
 
Im Jahre 1961 kam Karl Georg Wellhoener aus Bremen nach Karlsruhe. Er hatte mit >Diana v. Kemnitztal 757/5610151 seinen Zwinger "vom Grunewald" begründet und zog im Lauf der Jahre mit den Hündinnen -> Bolle v. Grunewald 57/61 12814, > Gurke v. Grune¬wald 291165, > Illa v. Grunewald 326/70 18856 und > Peska v. Grunewald 569/77 25580 insgesamt 17 Würfe. Die goldene Ehrennadel des JGHV. für Züchter unterstreicht sein erfolgreiches Wirken für die DL-Zucht.
 
Karl G. Wellhoener engagierte sich beim Süddeutschen Club Langhaar; von 1968 bis 1973 war er dessen 2. Vorsitzender und Verbindungszuchtwart für Baden-Württemberg. In diesen Jahren fanden regelmäßig Verbands-Jugend- und Herbstzuchtprüfungen hier im Südwesten statt, nachdem das Zuchtgeschehen wieder zugenommen hatte.
 
Aber - "wo Menschen sind, da menschelt's". Es kam zu Meinungsverschiedenheiten wegen einer schwach besetzten HZP und über die Mitgliederbetreuung, kurzum - Karl G. Wellhoener trat verärgert von seinen Ämtern zurück und gründete mit einigen badischen und württembergischen Langhaarfreunden am 1. November 1973 den Deutsch-Langhaar-Verein Baden-Württemberg e.V.
 
Aus heutiger Sicht waren Art und Umstände der Vereinsgründung nicht geeignet, der DL-¬Zucht in Baden-Württemberg zu einem guten Start in die Eigenverantwortlichkeit zu verhelfen. So sehr eine eigene Organisation im Südwesten von der Sache her notwendig war: Der Weg über Verhandlungen mit dem Vorstand des SCL wäre weniger riskant gewesen.
 
Um's Haar ist's nämlich schiefgelaufen; der zweite Versuch nach 1945, den Deutsch-Langhaar in Baden-Württemberg eigenständig zu repräsentieren, stand kurz vor dem Fehlschlag.
 
Unser Antrag zur Verbandsversammlung 1974 auf Aufnahme in den DL-Verband wurde nach heftiger Debatte abgelehnt. Als Kompromißlösung sollte sich der Verein zunächst als Untergruppe im Süddeutschen Club bewähren. Die Krankheit des damaligen Vorsitzenden K.H. Bächer führte zu vielen Versäumnissen und Verhinderungen. Dies mußte beim Vorsit¬zenden des SCL den Schluß nahelegen, daß diese Gruppierung nicht in der Lage ist, eigenverantwortlich für DL zu arbeiten. Der Vorstand des DL-Vereins Baden-Württemberg reagierte rechtzeitig. Herr Bächer wurde zum Rücktritt veranlaßt, die Vorstandsarbeit konsolidiert und im März 1975 - mit tatkräftiger Unterstützung, fast aller übrigen Verbandsvereine - die Aufnahme in den DL-Verband und den Jagdgebrauchshundverband erreicht. Auch in der kynologischen Arbeitsgemeinschaft beim Landesjagdverband Baden-Württemberg war der neue Verein willkommen.
 
Einige baden-württemhergische Langhaarleute und -züchter, v.a. im.fränkischen Landesteil, blieben Mitglieder beim Süddeutschen Club, z.B. Hans Sänmmer - Gerchsheim, Zwinger v. Sämmenhof, Hermann Schmidt - Creglingen, Zwinger v. d. Borkelsklause, Ernst Neu - Jagstheim, Zwinger v. Hühnerberg und auch Lothar Schenk, Zwinger v. Grünbachtal.
 
Deutsch-Langhaar in Baden-Württemberg seit 1973
Wie oben beschrieben ließen die anfänglichen Schwierigkeiten des jungen Vereins keine rasche Entwicklung des Zuchtgeschehens im Land erwarten, da von den etablierten Züchtern nur die Herren Mattes - Dußlingen, Zwinger v. Heiligenwald, Krause - Schwanau, Zwinger v. Hohen Geroldseck, Wellhoener - Eichelberg,  Zwinger v. Grunewald und als Newcomer Herbert Rein - Gomaringen, Zwinger v. d. Honigranch über den hiesigen Verein gezüchtet haben. Karl G. Wellhoener als Zuchtwart und der Verfasser waren in diesen Jahren als 'Wanderprediger in Sachen Langhaar" manches Wochenende im "Ländle" unterwegs, um standfeste Schwaben und eigenwillige Alemannen davon zu überzeugen, daß es wenig sinnvoll ist, mit Hündinnen ohne entsprechende Nachweise eben mal so einen Wurf zu produzieren. Manchen Hund haben wir im Revier überprüft und neben Untauglichem auch viel Gutes gefunden. Der Deckrüde Dachs v. Grunewald 6/64 z.B. wurde von Klaus Baeuerle auf einer Hasenjagd auf den Fildern bei Echterdingen als überragender Verlorenbringer entdeckt und sein Besitzer als Mitglied geworben.
 
Allmählich kam der Verein in die Gänge. Die Mitgliederzahl wuchs von 70 per 1. Januar 1975 auf 127 in 1985, 170 in 1990 und sank - auch durch Bereinigung der Mitgliederliste - auf 160 per  1. Januar 1999.
 
Von Anfang an haben wir an die Leistungen der Zuchthunde hohe Anforderungen gestellt. Diese qualitätsorientierte Haltung hatte zur Folge, daß mit manchem hochprämiierten Prüfungshund, der auf dem Papier allen Kriterien der Zuchtordnung entsprach, am Ende doch nicht gezüchtet wurde. In einigen wenigen Fällen, bei denen die Bedenken hinsichtlich Nerv, Wesen oder Schärfe zerstreut wurden, folgte die Ernüchterung spätestens bei der F2-Generation.
 
Für das Zuchtgeschehen erschwerend kam hinzu, daß sich seit 1975 die Situation des Niederwildes aufgrund tiefgreifender Veränderung der Wildlebensräume bei gleichzeitig überproportionalem Anstieg der Beutegreiferpopulation, zunächst unmerklich, verschlechterte. Ein sehr harter Winter 1981/82 kam hinzu, von dessen Folgen sich vor allem die Federwildarten Rebhuhn und Fasan bis heute nicht mehr erhohlt haben. Ende der 60er-Jahre wurden noch in den Höhenlagen der Löwensteiner Berge nachhaltig Rebhühner bejagt, jetzt kann man auch in den ehemals klassischen Niederwildrevieren der nordbadischen Rheinebene kaum noch eine Verbands-Jugendprüfung abhalten. In der Folge stagnierte die Welpennachfrage auf niedrigem Niveau. Häufig hatten engagierte junge Leute auch reichlich Pech und verloren jagdlich beste Zuchttiere durch den Straßenverkehr.
 
Trotzdem gab es immer wieder hoffnungsvolle Ansätze, neue Züchter zu begeistern. Folgende Zwingernamen wurden geschützt:
 
v.d. Heuneburg, Martin Baur, Binzwangen (1976)
v. Mönchsbrunnen, Werner Gimmel, Forsthaus Warthof (1977) 
v. Schelmenbusch, Lothar Pechtoldt, Karlsbad (1977) 
v. d. Herrenburg, H. O. Volkwein, Neckarelz (1980) 
v. d. Morgenweide, Albert Born, Mainhardt (1980) 
v. Bodanrück, Dr. Ulrich Marwit--, Bad Krozingen (1981)
v. Bärenteich, Dieter Henning, Wiesental (1980) 
v. Eichisweiher, Klaus Baeuerle, Rechenberg (1982) 
v. d. Honburg, Werner Happle, Tuttlingen
v. d. Niederwiesen, Friedhelm Heiberger, Böhl-/ggelheim (1982) 
v. Weiherhau, Wolfgang Schweickart, Wald-Walhertsweiher (1983) 
v. d. Hexentanne, Helmut Glowania, Baltmannsweiler (1984) 
v. Olgahain, Hermann Kirschstein, Tübingen (1985) 
v. d. Wandelburg, Johunnes Stier, Wurmlingen (1988) 
v. Riederhof, Otto Müller, Rastatt (1991) 
v. d. Biberquelle, Fritz Lehmann, Altheim (1991) 
v. Waidbosch, Hans-Peter Braun, Urloffen (1991) 
aus Wald u. Feld, Rolf Insam, Ursenhof (1991) 
v. Herrenweg, Walter Herrenknecht, Schwanau (1994) 
v. Ordenswald, Walter Hauck, Böhl-Iggelheim (1996) 
v. Birkenfeld, Martin Hörner, Westernbach (1996) 
v. Bannwald, Roland Maier Heiligkreuztal (1996)
 
Nachdem die alten Züchter, wie Mattes - Dußlingen und Wellhoener - Eichelberg verstorben waren, konnte sich von den passionierten jüngeren Leuten bis heute keiner nachhaltig als Züchter profilieren. Seit 1994 verstärkt der sehr engagierte Langhaarmann Karl Walch, Schwaigern, aus den bayrischen Stammlanden kommend mit seinem renommierten Zwinger "Solojäger's" die baden-wüttembergische Zucht und bringt jetzt auch als Zuchtwart sein fundiertes Wissen in die Vereinstätigkeit ein.
 
Dem Vorstand des DL-Vereins Baden-Württemberg e.V . gehörten und gehören nachstehende Personen an:
 
1. Vorsitzende: 
01.11.73 bis 20.01.75        Karl-Heinz Bächer
23.01 .75 bis 15.02.75       Karl-Georg Wellhoener als Notvorstand 
15.02.75 bis März 1993     Dieter Henning 
ab März 1993                      Hans-Otto Volkwein
 
 
2. Vorsitende:  1973 - 1983 Karl-Georg Wellhoener
(verstorben am 08.01.83)
1983 - 1990 Lothar Pechtoldt
(verstorben am 01.05.90)
 
1990 - 1993 Hans-Otto Volkwein
ab1993 Dieter Henning
 
Schriftführer/Geschäftsstelle: 
1973 – 1993      Klaus Baeuerle
ab 1993 Hermann Holtkamp
 
Schatzmeister:  1974 – 1993  Wolfram Meyer
ab 1993 Hermann Holtkamp
 
Zuchtwarte:  1973 - 1983 Karl Georg Wellhoener
1983 - 1999 Werner Gimmel
ab 3/99 Karl Walch
 
Obmänner für das Prüfungswesen
1974-1985 Dieter Henning
1985 - 1993 Hans Schinko
1993- 1999 Klaus Baeuerle
ab 3/99 Achim Mathias
 
Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt:
 
- Herr Adolf Rösener, Bad Herrenalb (┼), früher Schatzmeister der DL Gruppe Rheinland, der uns in den Anfangsjahren des Vereins organisatorisch und als Prüfungsleiter sehr geholfen hat;
Herr Walter Döttling(┼), Ammerbuch-Entringen. (der sich als Nachsuchenspezialist und unbestechlicher     Berichterstatter höchste  Verdienste um Deutsch-Langhaar erworben hat.
 
Forstoberamtmann a.D. Walter Döttling entstammte einer Försterfamilie. Sein Vater hatte noch in königlichen Diensten gestanden und führte den schweren Württemberger Kurzhaar. Er selbst  kam als junger Revierförster durch Leo Wirth, Wart bei Altensteig, Zwinger v. Klosterwald, zum DL. Astor v. Papenheim, Kuni v. Teufelsbau, Bautz v. Grabengrund und zuletzt >Bautz v. Mönchsbrunnen 455/80A 33011 Vbr Sil, l warern seine Rüden. Er hat sie alle in den klassischen Fächern der Gebrauchshundearbeit ausgebildet, auf VJP, HZP und VGP durchgeführt und sie schon rechtzeitig auf ihren späteren "Hauptberuf" als Nachsuchenspezialisten auf Reh-, Rot- und Schwarzwild vorbereitet. Sie alle hatten die Verbandsschweissprüfung des "Vereins zur - Züchtung und Prüfung reiner Jagdhunderassen für Württemberg" in den wildreichen Wäldern des Schönbuchs absolviert und alle leisteten Überdurchschnittliches auf der  Rotfährte in der Praxis. 
Bei vielen hundert Einsätzen hat er die hohe Leistungsfähigkeit von DL bei der Arbeit nach dem Schuß bewiesen und damit die Rasse vorbildlich repräsentiert. Über viele Jahre hinweg hat er praktisch alle Nachsuchen im Lehrjagdrevier der forstlichen Fachhochschule Rottenburg durchgeführt und sorgfältig über jede einzelne Arbeit Niederschriften gefertigt. Eine Fundgrube für alle an der Schweißarbeit Interessierten! .
Sein Nachsuchenbericht Nr. 14/87 vom 10.12.87 trägt die Überschrift "Eine Seltsame Nachsuche " und beschreibt eine 5 km lange Riemenarbeit von "Bautz " im Revier der FFHS Rottenburg auf ein Reh:
Bei einer Drückjagd der FFHS kam einem Studenten ein Reh, das dieser mit Kal. 9,3 x72,
12,5 g Tmt.Flk. beschoß. Das Stück zeichnete und ging flüchtig ab in einen Lauhholzaltbestand. Auf dem Anschuß fanden sich Schnitthaare vom Körper, Wildbretfetzen und Knochenspllitter. Ich sprach die Pirschzeichen als von einem Keulenschuß stammend an. Nach 2 Stunden Wartezeit legte ich den  Rüden zur Fährte. Er arbeitete zügig und zeigte immer wieder Schweiß. Es ging hangabwärts  bis zum Zusammentreffen von drei kleineren Klingen (schwäbische Bezeichnung für steilwandige Geländeeinschnitte, v.a. in der Keuperformation), die in einer großen Klinge endeten. Dort wechselte das Stück durch und zog in eine 10 - 20jährige Fichtendickung. Da ich am Benehmen des Hundes merkte, daß das kranke Stück vor uns herzog schnallte ich den Rüden. Bald jagte er  fährtenlaut das Reh an mir vorbei. Die Hatz ging zurück zum Einwechsel, dann ca. 80 m auf der Sohle der tiefen Klinge entlang, die südliche Steilwand hinauf und wendete sich nach Norden. Ich folgte dem Fährtenlaut, hörte in dem kupierten Gelände den Laut noch 2 - 3 mal kurz, dann war Stille.
Nach einiger Zeit kam der Rüde zurück. Was nun? Hatte er ein gesundes Stück oder doch das Kranke gehetzt? Ich gab dem abgehetzten Rüden Wasser und legte ihn ab. Dann ging's zurück  zum letzten Schweiß in die Dickung wo ich den Rüden wieder zur Fährte legte. Ich konnte mich immer wieder von der Richtigkeit seiner Arbeit überzeugen, weil er kleinere und größere Schweißtropfen verwies. Nach einigen Tropfbetten stand ich nach 200 m vor  einem Wundbett, und nach weiteren 3 - 400 m am Zusammentreff en der drei Klingen, genau dort, wo vorher die Hatz vorbeigegangen war. Da ich dort die Wundfährte selbst zertreten und wahrscheinlich Schweiß zusätzlich verteilt hatte, hatte Bautz einen schwierigen Knoten zu lösen. Nachdem er 10 Minuten lang Bogen geschlagen hatte, fiel er eine Fährte an, arbeitete in die große Klinge hinein und verwies wieder Schweiß. Es ging - immer wieder wurde Schweiß gezeigt - den Hang hinauf, über eine Forststraße hinweg in einen 20 - 30 jährigen Fichten/Douglasienbestand hinein, der auch jüngere Partien aufwies. Die Länge der Wundfährte einschließlich der jetzt nachgearbeiteten Hatz betrug schon etwa 1.500 in. Durch eine Dickung ging es bis zu einem breiten Erdweg, der fest gefroren und mit rotgelben Lärchennadeln bedeckt war, so daß kein Schweiß zu sehen war. Auf dem Weg ging es ca. 500 in weiter bis zu einer Forststraße. Dort war ein weiterer Knoten zu lösen. Keine Pirschzeichen zu sehen, Autos fuhren, und der Straßenstaub machte dem Rüden zu schaffen. Dauernd nieste er sich den Dreck aus der Nase. Mit und ohne Hund wurde jetzt nach Schweiß gesucht. Nach einer halben Stunde endlich fand ich auf der Blaulachstraße ein Pirschzeichen. Das Stück war lange auf dieser Straße fortgezogen, der Rüde hatte Schwierigkeiten, auf der vielbefahrenen Forststraße die Fährte zu halten, fand aber immer wieder Tropfbetten, wenn das Stück verhofft hatte. Auf einer Eisplatte war es gestürzt und hatte dabei viel Schweiß verloren. Wir kamen zum Ammelhornweg, auf dem Schützen zum gerade laufenden 3. Treiben abgestellt waren und die auch schon die Wundfährte mit Schweiß bemerkt hatten. Das kranke Stück war auf einer Forststraße hangabwärts geflüchtet. Im Treiben jagten Hunde lauthals, es fielen Schüsse, Bautz ließ sich nicht beirren und arbeitete ruhig weiter. Es ging weiter bergab in Richtung Landstraße Dettingen-Ofterdingen. Plötzlich nahm Bautz die Nase hoch und wollte die Forststraße verlassen, obwohl die Fährte auf der Straße weiterhin Schweiß zeigte. Ich dachte, er ließe sich durch flüchtiges gesundes Wild ablenken, da der Wind direkt auf uns zu stand. Nach gutem Zuspruch arbeitete er um eine Kurve der Forststraße herum, markierte deutlich mit hoher Nase, zog eine 3 m hohe Böschung hinauf und stand vor einem Wundbett mit viel Schweiß, kurz dahinter ein zweites. Plötzlich sah ich vor uns eine Bewegung: ein frei stöbernder DK hatte das bereits verendete Stück gefunden und rupfte große Büschel Haare aus. Er ließ sich abnehmen und anleinen. Das gefundene Stück war tatsächlich unser gesuchtes Reh mit Keulenschuß.
 
Nach Rekonstruktion des Fährtenverlaufs auf der Forstkarte betrug die Riemenarbeit 5.500 bis 6.000 m einschließlich der ausgearbeiteten Hatz.
 
Auch bei einer weiteren Schweißarbeit im Revier des Verfassers auf einen Uberläuferkeiler. (aufgebr. 63 kg) im September 1988 demonstrierte das Gespann Bautz v. Mönchsbrunnen und Walter Döttling Nachsuchenarbeit vom Feinsten. Der Überläufer hatte einen hohen Vorderlaufschuß, den er morgens gegen 4.00 Uhr erhalten hatte. Um 10.30 Uhr wurde Bautz zur Fährte gelegt, war nach 1.200 in zügiger Riemenarbeit am kranken Stück. Walter schoß vorbei und ab ging die Post. Zwei vorgestellte Schützen hatten ebenfalls krummes Pulver geladen. Nach ca. 2 km Hatz mit mehrfachem scharfem Stellen und Faßversuchen war das Ende im Wagbach erreicht. 
Eine Arbeit, die auch ein Hann. Schweißhund nicht besser hätte erledigen können. Solche Leistungen in der rauhen Praxis überzeugen immer mehr Jäger und Forstleute, sich dem DL zuzuwenden.
 
Weiteres aus den Vereinsakten:
 
1982 hatte der Verein die Ehre, die 13. Schorlemer-Verbands-Herbstzuchtprüfung in den Revieren um Bruchsal auszurichten. Nach einem sehr trockenen Sommer stellte diese Aufgabe für uns eine große Herausforderung dar: Das eigens für die Schorlemer HZP angelegte 1,2 Hektar große Prüfungswasser war fast trockengefallen, ebenso die Altrheinarme. Dank des „Entenspezialisten " Werner Gimmel wurden an einem kleinen Gewässer bei Liedolsheim trotzdem brauchbare Ergebnisse erzielt. Im Jahr- 1993 waren wir wieder Gastgeber für die 24. Schorlemer-Verbands-Herbstzuchtprüfung, die in den Revieren um Kehl stattfand. Weitere 100 Meter vom Ort der Wasserarbeit entfernt steht der Gedenkstein für den Gebrauchshundepionier Oberländer. Deutsch-Langhaar hätte sich vor seinen Rauhhaarigen nicht zu verstecken brauchen.
Bei der 24. Schorlemer HZP 1992 im Revier Kehl v.li.n.re.: Frau Houzer, D. Henning, H. 0. Volkwein, G. Schwiete,
Die Mitglieder des DL-Vereins Baden-Württemberg fühlen sich den übrigen Vereinen und Gruppen im DL-Verband eng verbunden. Wir wirken aktiv am Verbandsgeschehen mit und versuchen, unsere Erfahrungen aus einem veränderten jagdlichen Umfeld in die Verbandsarbeit einzubringen. Gelegentlich sind wir auch dafür gescholten worden, z.B. als wir (in der sog. "Stuttgarter Vereinbarung" in Sachen Arbeit an der lebenden Ente mitgewirkt haben. Heute wäre man in einigen Bundesländern froh, wenn es einen solchen Konsens, mit dem man in der Ausbildungs- und Prüfungspraxis gut leben kann, dort gäbe. Auch wurde auf unseren Antrag im DL-Verband über das Leistungszeichen, für die Arbeit am Schwarzwild und die Arbeit auf natürlicher Wundfährte diskutiert und darüber Beschluß gefaßt. Wir sehen in solchen Leistungsnachweisen aus der Jagdpraxis wichtige Hinweise auf das Wesen, den Nerv, die Fährtensicherheit und die Wildschärfe unserer Hunde. Und nicht zuletzt wertvolle Hinweise in Richtung Zuchtverwendung und Vererbung.